Freitag, 2. März 2018

Verrückt nach Kapok



Seit ich angefangen habe zu meditieren hat sich über die Jahre zugegebenermaßen das ein oder andere Meditationskissen angesammelt. Ganz am Anfang saß ich natürlich auf zusammen gefalteten Decken. Ich wusste ja noch nicht, ob das wirklich etwas für mich ist. Außerdem bevorzugte ich in der ersten Zeit den Fersensitz. Die Sitzhaltung und auch die benötigte Sitzhöhe hat sich über die Jahre verändert, so auch die Formen und Größe der Kissen. Und seitdem ich regelmäßig zu einer Zen-Gruppe gehe, manifestierte sich der Wunsch ein traditionelleres schwarzes Kissen in die kleine Sammlung mit aufzunehmen. Dieses Kissen ist mein erstes Kissen mit Kapok-Füllung. Das Sitzgefühl hat mich so begeistert, dass ich kurzerhand Kapok-Füllmaterial für zwei meiner älteren Kissen nachbestellt habe. Eins davon wird nämlich immer mal wieder von meinem Mann genutzt und das andere Kissen wird auch weiterhin von mir benutzt werden, wenn auch nicht so häufig wie das neue „kleine Schwarze“.

Wie ich schon in dem Beitrag über meine Yogamatte schrieb: Dies ist übrigens ein rein privater "Old-School-Blog" - ich verdiene nichts mit ihm oder mit Werbung für irgendwelche Produkte und habe es auch nicht vor. Den Blog schreibe ich in erster Linie für mich und für den ein oder anderen, der sich eventuell für die Themen interessiert. Das ist alles.

Bei allen Kissen, die ich gekauft habe, war es mir wichtig, zu wissen, wo sie gefertigt werden. Glücklicherweise können sie, gemäß eigenen Angaben auf den jeweiligen Webseiten, alle in Deutschland genäht und gestopft werden.

Mediationskissen von Bosiki, Füllung: Bio-Dinkelspelz
Meine ersten 3 Kissen, mit denen ich jahrelang zufrieden war, und es auch immer noch bin, sind von Bosiki, einem Unternehmen in Schleswig-Holstein. Bei Bosiki kann man sich sein Kissen über den Online-Shop individuell zusammen stellen, beispielsweise kann man Kissenhöhen, Farbkombinationen oder Symbole für das Kissen auswählen. Es gibt nun auch ein sogenanntes „Step-Kissen“, welches in der Höhe veränderbar ist. So braucht man nicht mehr, wie ich, über die Jahre verschiedene Meditationskissen ansammeln *räusper*.
Ich habe viele Jahre gut auf den Bosiki-Kissen mit der Bio-Dinkelspelz-Füllung gesessen. Im direkten Vergleich zur Kapok-Füllung muss ich aber sagen, dass ich persönlich kein Kissen mit dieser Füllung mehr kaufen würde. Ich bevorzuge einfach das glattere Sitzgefühl auf Kapok. Außerdem sind die Kissen mit Kaopok-Füllung in ähnlicher Größe auch merklich leichter als die mit Dinkelspelz-Füllung. Letztlich ist das aber Geschmackssache.

Meditationskissen „Roshi, klein“ von Bausinger, Füllung: Kapok
Wie Ihr wahrscheinlich schon rausgehört habt, ist dieses Kissen momentan mein absoluter Favorit. Bausinger ist eine 1977 gegründete Yogamanufaktur, deren Werte gemäß Webseite „Bio, Fair, Nah“ sind. Die Meditationskissen und -bänkchen werden in Behindertenwerkstätten in Deutschland gefertigt. Von allen hier vorgestellten Online-Shops wurde dieses Kissen übrigens am schnellsten geliefert, Lieferzeit 2 Werktage. Das Meditationskissen „Roshi, klein“ ist gefüllt mit Kapok, das man eventuell als Polstermaterial von Sofas etc. kennt. Ich empfinde das Sitzen auf dem Kissen als sehr angenehm, da es nicht zu hart und nicht zu weich ist und sich vor allem im Gegensatz zu Dinkelspelz glatt anfühlt. Außerdem sind die Kissen, die damit gefüllt sind, viel leichtgewichtiger als Kissen vergleichbarer Größe mit Dinkelspelz. Passend zu dem kleinen Roshi habe ich mir bei Bausinger noch ein Stützkissen für mein rechtes Bein gekauft. Ratet mal, womit es gefüllt ist … ;) Genau, ebenfalls Kapok.

Meditationskissen „BlossOm Pure“ von BlossOm, Füllung Schaumstoff-Flocken
Dieses Kissen sah ich irgendwann bei meiner Yogalehrerin und war sofort verliebt. Wenn ich nach dem Yoga gut gedehnt war, habe ich darauf meine ersten Versuche gemacht, im halben Lotos zu sitzen. Und ich konnte diesen Sitz auch 20 Minuten ohne Schwierigkeiten halten. Es gibt bei BlossOm aber auch weitere Formen, die für andere bevorzugte Sitzhaltungen geeignet sind. Gemäß Webseite besteht das Füllmaterial aus Schaumstoff-Flocken mit hoher Raumdichte, die aus Resten einer deutschen Matratzenmanufaktur stammen. Ich empfinde das Sitzen darauf ähnlich wie auf Kapok, vielleicht ein klein wenig fester, aber auch schön glatt. Im Sommer nehme ich es gerne mit auf den Balkon, um gemütlich darauf im Freien zu sitzen. Dieses besondere Kissen kann ich sehr empfehlen, hier muss man aber nach der Bestellung mit ein wenig Wartezeit rechnen.

Oben noch ein paar Fotos von meiner Austausch-Aktion, meine alten Kissen mit Kapok zu füllen. Das rote Kissen wird nämlich, wie oben erwähnt, seit einiger Zeit auch regelmäßig von meinem Mann verwendet. Er soll ebenfalls in den Genuss dieser angenehmen Füllung kommen. Beim Austausch ist es für den Reißverschluss des Kissens von Vorteil, wenn das Kapok in ein Inlet, ein Innenkissen, gefüllt werden kann (graues Kissen). Das Kapok verfängt sich sonst gerne schon einmal in dem Reißverschluss. Außerdem ist eine Fusselrolle sehr hilfreich wie man an den Klamotten auf dem Foto rechts unten sieht ...

Samstag, 17. Februar 2018

"How we sit zazen is how we live our life"


Please find an English summary of this entry written in German at the end of this post.

Kürzlich habe ich nach längerer Zeit mal wieder zwei Episoden des empfehlenswerten Podcasts "The Zen Studies Podcast" gehört. In der Episode 47 "How to Guide Your Own Meditation Part 1: Do Something, Don’t Just Fall Asleep" fiel der Satz "How we sit zazen is how we do everything" (auf deutsch: "Wie wir im zazen sitzen/meditieren ist wie wir alles tun"). Beim nächsten Sitzen (Zazen/Meditieren) fiel mir der Satz wieder ein, nachdem ich mich mal wieder in Gedankenketten verloren hatte. Allerdings erinnerte ich mich etwas anders an ihn: "How we sit zazen is how we live our life" (auf deutsch: "Wie wir im zazen sitzen/meditieren ist wie wir unser Leben leben"). Diese Version gefällt mir besser, vielleicht habe ich sie sogar schon mal irgendwo anders gelesen oder gehört.

Wenn ich mich sonst in Gedankenketten verliere, kehre ich zurück zu einer Körperempfindung, einem Geräusch, einem Geruch (manchmal duftet ein Duschgel oder ähnliches) etc. Dies mache ich immer noch. Seitdem ich mich an diesen Satz erinnert habe, frage ich mich allerdings auch hin und wieder, wenn ich mal wieder abschweife, "wie will ich leben?" oder einfach nur "wie?". Es geht ein bisschen in die Richtung von "what is this?", eine Fragestellung die Martine Batchelor lehrt, die im koreanischen Zen unterwiesen wurde. Mit diesem "what is this?" oder "was ist das?" konnte ich vor einem Jahr, als ich den Online-Kurs von ihr mit gemacht habe, nicht viel anfangen. Wahrscheinlich ist mein Ansatz auch gar nicht zu vergleichen und es ist doch etwas völlig anderes.

Bei mir bewirkt diese Frage "wie (will ich leben)?" kurz innezuhalten, ob ich diesen Gedanken, denen ich gerade Raum schenke, tatsächlich gerade folgen will. Will ich gerade, dass dieser Songtext in meinem Kopf herumschwirrt, will ich mich gerade über jemanden ärgern, will ich schon wieder über irgend etwas, was ich noch zu tun habe nachdenken? Oder will ich jetzt einfach nur in diesem Moment sein? Manchmal kann es sein, dass man an etwas Schönes denkt und eigentlich nicht davon ablassen will. Dann ist das auch okay. Es geht nicht darum, etwas zu ändern oder zu verbessern. Es geht darum, innezuhalten und zu erkennen, was man gerade wirklich will.

Ich habe gemerkt, dass es sich für mich auch lohnt, sich diese Frage im Alltag zu stellen. Will ich jetzt eine schöne Zeit mit meinem Partner verbringen, oder mit ihm irgendein Problem aus dem Alltagsleben diskutieren. Zumindest komme ich danach wieder schneller in den Moment zurück, der jetzt gerade ist und den ich erleben will.

English summary:
The sentence "How we sit zazen is how we do everything" from Episode 47 "How to Guide Your Own Meditation Part 1: Do Something, Don’t Just Fall Asleep" of the recommendable podcast "The Zen Studies Podcast" was an eye opener to me. Though I have remembered it a little bit differently during my next meditation session, i. e. as "How we sit zazen is how we live our life", this sentence and the following questions "how would I like to live my life?" or just "how...?" emerging from it, have been serving as an "anchor" since. An "anchor" like the more common anchors just as returning to the breath or listening to sounds etc. This new anchor helps me to pause and ask myself whether I want to get lost in the thoughts just arising, whether I want to get angry about something or someone now, whether I want to go through my to do list while meditating. These questions also help me in my daily life.

Sonntag, 11. Februar 2018

Brennholz / Firewood

Brennholz wird zu Asche, und die Asche kann niemals wieder zu Brennholz werden.
("Genjokoan", Dogen, Übersetzung: Nishijima/Cross/Linnebach)

Firewood becomes ash; it can never go back to being firewood.
("Genjokoan", Dogen, Translation: Nishijirma/Cross)

Donnerstag, 28. Dezember 2017

In der Dunkelheit da ist Helligkeit - Rückschau und Vorschau

In der Helligkeit da ist tiefste Dunkelheit,
hafte nicht an der Dunkelheit.
In der Dunkelheit da ist Helligkeit,
aber suche nicht nach der Helligkeit.
Dunkelheit und Helligkeit wechseln einander ab
wie beim Gehen der vordere und der hintere Fuß.
Jedes Phänomen hat seinen Wert.
- Sandōkai  (Sekito Kisen, 700–790) 

Within the light there is darkness,
but do not be attached to that darkness.
Within the darkness there is light,
but do not look for that light.
Darkness and light alternate with one another
like the foot before and the foot behind in walking.
Each thing has its own intrinsic value.
- Sandōkai  (Sekito Kisen, 700–790) 

In dem (Hör-)Buch "Nothing holy about it" hörte ich  zum ersten mal bewusst immer wieder Zitat-Varianten der zwei Zeilen aus dem Sandōkai, in denen es um die Dunkelheit und die Helligkeit geht. Diese haben mich sofort sehr angesprochen.

Diesen Blog habe ich Anfang des Jahres ins Leben gerufen, um weitere Erfahrungen auf dem Gebiet der Mediation und des Ashtanga Yogas zu machen und diese für mich festzuhalten. Im März nahm ich an einem Online-Meditations-Kurs mit Martine Batchelor teil, aus dem ich einige Anregungen hinsichtlich meiner Meditationspraxis für mich mitgenommen habe. Im April besuchte ich einen Ashtanga-Yoga-Workshop mit dem sagenhaften David Swenson. Es war unglaublich toll, Ashtanga Yoga live von einem solchen begabten Übenden zu sehen. Im Juni war ich 2 x bei einer Thich-Nhath-Hanh-Meditationsgruppe. Es war eine gute Erfahrung, aber nicht so ganz mein Ding. Davon abgesehen war es auch etwas weit von meinem Wohnort entfernt. Dafür habe ich inzwischen eine Zen-Gruppe in meiner Nähe gefunden, die ich bereits einige Male besuchte. Dort gefällt es mir gut. Eine absolute Bereicherung im Jahr 2017 war der 5-Tage-Intensivkurs Achtsames Selbstmitgefühl (Mindful Selfcompassion). Ich habe viel über mich und für meine Meditationspraxis gelernt sowie wunderbare Kontakte geknüpft, die noch andauern.

Nachdem Erfolg dieses 5-tägigen Intensivkurses habe ich mich dann endlich getraut, ein Schweige-Zen-Retreat mit Brad Warner für 2018 zu buchen. Auch die oben genannte Zen-Gruppe werde ich im Jahr 2018 weiterhin besuchen. Daneben möchte ich mich mit den Zen-Texten wie oben zitiert beschäftigen, beispielsweise mit dem Sandōkai, aber auch mit der deutschen Übersetzung des Shōbōgenzō von Nishijima/Cross/Linnebach (Band 1 bis Band 4). Seit Weihnachten bin ich im Besitz aller vier Bände. :)

Neben dem Sitzen (Meditieren) sollen Partnerschaft und Familie, Yoga, Spaß, Meer, Freunde, Fotografie, Musik sowie Zufriedenheit auch mein Jahr 2018 wieder bereichern.

Postscriptum oder Last but not Least:
Manche Dinge sind schon so zur Selbstverständlichkeit geworden, dass sie kaum Erwähnung finden, obwohl sie alles andere als selbstverständlich sind. Dazu zählt der Unterricht mit meiner grandiosen Yogalehrerin, der jetzt schon 2,5 Jahre andauert und sicherlich noch viele Jahre andauern wird. Eine so kompetente Yogalehrerin in der Nähe zu haben ist wirklich ein Geschenk. Genauso wie die Freundschaft, die daraus erwachsen ist. Dafür bin ich unendlich dankbar!





Samstag, 9. Dezember 2017

Neue Yogamatte - a new soul mat

* Meine grüne Yogamatte Manduka Pro hat eine kleine Schwester bekommen: Die etwas schmalere, dünnere und leichtere Yogamatte Manduka ProLite in einem dunklen rot. Die Farbe nennt sich "indulge" - verwöhnen. Diese Farbe spricht total zu mir.
Die rote Matte (ProLite) kann fast alles, was die grüne Matte (Pro) kann. Mit 1,8kg ist sie 1,6kg leichter als die Pro-Matte. Das ist natürlich angenehmer, wenn man sie mal mitnehmen will. Ansonsten wellt sie sich momentan nur, wenn ich die Füße versuche vom heraufschauenden Hund in den herabschauenden Hund abzurollen, wie man es beim Ashtanga macht (ich übe noch an diesem Abrollen). Damit kann ich aber leben und vielleicht ändert es sich ja noch. 

* My green yoga mat Manduka Pro now has a little sister: The slightly narrower, thinner and lighter yogamat Manduka ProLite in a dark red. The colour is "indulge". The colour absolutely resonates with me. 
You can do almost everything on the red mat (ProLite) what you can do on the green mat (Pro). "She" weighs 1.8kg, hence she is 1.6kg lighter than the Pro mat. Obviously, this is more pleasant when you want to take "her" with you somewhere else. Other than that "she" currently bubbles up only when I am trying to unroll my feet from upward dog towards downward downward dog as you do in Ashtanga (I am still practising on unrolling). However, that is ok for me and maybe it will still change.

* Wenn ich so übe, dass die rote Matte auf der grünen liegt, habe ich das oben genannte Problem beim Abrollen nicht mehr. Und ich habe noch mal mehr Dämpfung in den Sprüngen. Ich bin zufrieden. Es ist wirklich eine "soul mat".
Für die Fotos hatte ich die Matte etwas geputzt, aber die Boulder-Kreide, die ich in einigen Asanas verwende, sieht man doch noch ...
Die Matte habe ich bei greenyogashop.com gekauft.

* When I practise on the red mat lying on the green mat, I do not have the above-mentioned problem when unrolling anymore. Additionally, I have more bounce memory when jumping. I am satisfied. It is truly a "soul mat". 
I had cleaned the mat before taking the pictures but the boulder chalk which I use in some of the asanas is still visible ...
I ordered the mat with greenyogashop.com.
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* Dies ist übrigens ein rein privater "Old-School-Blog" - ich verdiene nichts mit ihm oder mit Werbung für irgendwelche Produkte. 
* By the way, this is a pure old school blog - I do not earn anything with this blog or advertisement for any products.


Samstag, 18. November 2017

5-Tage-Intensivkurs Achtsames Selbstmitgefühl (Mindful Selfcompassion)



„Wer macht denn wohl sowas?“
Mit dieser Frage im Hinterkopf über die anderen mir noch unbekannten Teilnehmer mache ich mich auf den Weg zur Akademie am Meer auf Sylt zum 5-Tage-Intensivkurs „Achtsames Selbstmitgefühl“ (Mindful Selfcompassion) von Evelyn Rodtmann und Christel von Scheidt. Schon im März 2017 hatte ich den im November stattfindenden Kurs gebucht. Zuvor hatte ich das Buch „AchtsamesSelbstmitgefühl“ von Christopher Germer gelesen, welches mich sehr begeistert hatte. Die Übungen und Anregungen ließen sich aber nicht so einfach im Alltag umsetzen. Außerdem wollte ich endlich mal einen längeren Meditationskurs besuchen, der nicht gleich ein kompletter Schweigekurs ist. Dazu kommt, dass ich sowieso eine ganz besondere Zuneigung zur Natur auf der Insel Sylt pflege.


Ich komme bei Nieselregen an der Akademie am Meer an, das Verwaltungsgebäude ist bereits geschlossen. Jedoch begegne ich einem sehr hilfsbereiten Mitarbeiter, der mir zeigt, wo mein Schlüssel liegt, mir das Haus mit meiner Unterkunft zeigt und mir auch alle sonstigen Informationen zukommen lässt. Und dies alles obwohl er schon längst Feierabend hat. Wenn das nicht ein perfekter Start ist.


Klappholttal, die Akademie am Meer, liegt zwischen den Nordseebädern Kampen und List. Die Volkshochschule Klappholttal ist eine Stätte der Jugend- und Erwachsenenbildung. Als Teilnehmer eines Kurses oder als Urlaubsgast wohnt man in einfachen, behaglich eingerichteten Einzel-, Doppel- oder Mehrbetthäusern. Die Häuser liegen verstreut im akademieeigenen Dünengebiet, das 7,5 ha umfasst (siehe auch: http://www.akademie-am-meer.de).


Es hat etwas von einem kleinen Dorf, in dem Menschen aller Coleur eine Vielzahl von VHS-Intensivkursen belegen. Das Ausmaß des Angebots wird mir jedoch erst beim Besuch des Speisesaals bewusst. Sind dies alles Menschen von meinem Kurs? Nein, das kann nicht sein. Erstmal einen Teller nehmen und diesen mit Leckereien vom Büffet auffüllen. Aber wo kann ich mich denn nun hinsetzen? Ah, da ist ein 4er-Tisch frei. Oh nee, da ist ein Schild, dass es sich hierbei um den Tisch für eine QiGong-Gruppe handelt. Nach ein wenig tolpatschigem Herumgeiere finde ich dann doch den Tisch, der für „mein“ Seminar reserviert ist. Ein paar Menschen sitzen schon dort, andere gesellen sich nach und nach dazu … Ich werde neugierig! Man kommt ins Gespräch.


Nach dem Abendessen treffen wir uns in unserem Seminarraum. Für jeden liegen 2 Decken auf 2 Yogamatten bereit. Es ist gemütlich und einladend. Die Seminarleiterinnen sind so sympathisch wie Sie auf Ihrer Webseite wirken. Was ein Glück! Wir kommen zunächst mit einer kurzen Meditation im hier und jetzt an. Irgendwann beginnt die Vorstellungsrunde. Hierbei fällt mir sofort positiv auf, dass wir uns nicht reihum vorstellen, also nicht einer gezwungen ist, mit der Vorstellung seiner Selbst zu beginnen, nur weil er oder sie zufällig am Rand sitzt, sondern jeder sich seinen Zeitpunkt selbst auswählen kann. Ich stelle fest, dass ich es die nächsten Tage mit interessanten Menschen zu tun haben werde und gehe nach unserem ersten Zusammentreffen mit einem äußerst angenehmen Gefühl ins Bett.


Aber worum genau geht es jetzt eigentlich in dem Seminar genau? Es geht darum eine geistige Haltung zu erlernen und zu entwickeln, um sich selbst mit Freundlichkeit und Akzeptanz zur Seite zu stehen - auch in schwierigen Momenten den Lebens. Jeder von uns kennt den inneren Kritiker. Schon in einer der ersten Übungen am zweiten Tag wird uns allen sehr bewusst, wie stark dieser innere Kritiker in jedem von uns „wütet“. Zunächst stellen wir uns vor, was wir zu einem guten Freund sagen, wenn dieser in einer Krise steckt oder wenn ihm etwas misslungen ist. Danach stellen wir uns vor, was wir in einer ähnlichen Situation zu uns selbst sagen, wenn wir in einer Krise stecken oder uns etwas misslungen ist. Der Unterschied, den in unserer Gruppe alle von uns ausmachen können, ist aufrüttelnd. Um uns selber mit mehr Freundlichkeit im Leben zu begegnen und unser Leben so letztendlich auch weniger stressig zu erleben, bekommen wir Theorie veranschaulicht - mittels Flipchart und Filmmaterial - und beruhend auf psychologischen Forschungsergebnissen und wir erlernen Achtsamkeits- und Meditations-Übungen, die ihren Ursprung unter anderem im Buddhismus haben.


Im weiteren Verlauf der Tage – wir haben uns alle schon besser kennengelernt – machen wir auch Partnerschaftsübungen und tauschen uns in Kleingruppen aber auch immer wieder in der großen Gruppe aus. Wenn beabsichtigt ist, sich nach den Übungen in Kleingruppen auszutauschen, wird von den Gruppenleiterinnen immer darauf hingewiesen, dass man sich als Thema für die Übung eines aussuchen soll, welches man auch in der Kleingruppe offenbaren möchte. Evelyn und Chris haben das was sie lehren wirklich verinnerlicht, denn sie führen uns im Gespräch immer wieder geschickt ins hier und jetzt. Beim Auftauchen von schwierigen Gefühlen stehen die beiden jedem einzelnen stets zur Seite. Einzelgespräche nach den Seminarzeiten werden vielfach in Anspruch genommen.


In den freien Zeiten bleibt Zeit um die Insel zu erforschen. Nur ein paar Meter von dem beschaulichen „Dorf“ die Düne hinauf, schon wird man von der lebendigen Nordsee empfangen.


Das Wetter ist wechselhaft, aber der freie Vormittag wird von dem starken Team der beiden Kursleiterinnen gekonnt mit Hinblick auf die Wettervorhersage eingeplant. Einige von uns mieten sich Fahrräder, andere machen Spaziergänge am Meer Richtung Kampen oder nehmen die Fähre nach Dänemark, wieder andere, nämlich unsere Gruppe, besuchen den nördlichsten Punkt Deutschlands am Ellenbogen (wahlweise auch schon mal irrtümlich als "Wir fahren doch heute zum Knie?" bezeichnet), an dem sich zufällig gerade zig Seehunde um eine "rastende Robbe" scharen.


Abends kann man sich über das Gelernte, schon zuvor besuchte Retreats und Workshops oder interessante Bücher im Gemeinschafts- oder Glashaus austauschen, zusammen lachen, stricken o. ä.

Erwähnen möchte ich außerdem noch die vierstündige freiwillige Schweigezeit, an der alle Teilnehmer einen Nachmittag teilgenommen haben. Hierbei kann man ein wenig austesten, ob eventuell ein Schweigeretreat etwas für einen ist. Wir nehmen schweigend in der Gruppe unser Essen ein (welches mir an allen Tagen übrigens überaus gut geschmeckt hat, obwohl ich sehr pingelig bin) und unternehmen beispielsweise einen Genuss-Spaziergang im Schweigen.


Allerdings tat mir die Frau aus einem anderen Kurs etwas leid, die ich in den Dünen traf und die mit mir ein nettes Gespräch beginnen wollte. Ich hoffe, ich konnte ihr höflich verständlich machen, warum ich gerade nicht für ein Gespräch zu haben war ... Alle Teilnehmer haben die Stunden im Schweigen sehr genossen.


Nach intensiven Tagen in der Gemeinschaft und ebenso intensiven Ausflügen in die Natur sowie in die eigenen Gefühlswelten - „dies ist kein Wohlfühlkurs“ - ging der Kurs dann schon seinem Ende entgegen. Jeder hat etwas aus dem Kurs für sich mitgenommen, da Evelyn und Christel es schafften, auf alle 12 Personen individuell einzugehen. Davor ziehe ich meinen Hut.


Als Gruppe haben wir mitgenommen, wie schnell eine Gemeinschaft von Fremden zu Bekannten und Freunden zusammenwachsen kann, dass jeder oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, teilweise aber auch mit ganz anderen. Jeder in der Gruppe hat seine Berechtigung, jeder kann einem die Augen öffnen oder ganz viel Unterstützung geben. In der Abschlussrunde verrate ich, dass ich, je näher der Kurs rückte, doch auch ein paar Zweifel hatte.
Frage: „Wer macht denn wohl sowas?“
Antwort: „Menschen wie Du und ich, die sich für mehr interessieren als nur für Konsum und Karriere, die schon die ein oder andere Krise gemeistert haben und lernen möchten freundlicher mit sich selbst und mit der Welt umzugehen.“


Ich fahre auf der Straße, die von Klappholttal Richtung Westerland führt zum Terminal des Syltshuttles. Das tiefstehende sonnige Novemberlicht schafft eine atemberaubende Atmosphäre. Schwalbenschwärme und ein Star-Trek-Soundtrack („That new car smell“) begleiten mich auf meinem Weg über die Insel. Wie oft sagt man heutzutage „Alles gut“. Aber jetzt gerade in diesem Moment ist wirklich alles gut so wie es ist ...
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Links:

Samstag, 12. August 2017

Tagebuch/Notizbuch von kitaken (Yoga, Meditation etc.)

English summary at the bottom of this entry!
* Tagebuch schreibe ich schon seit ich des Schreibens fähig bin (Grundschulalter). Natürlich hat sich der Inhalt über die Jahrzente geändert. Als ich begann, zu meditieren, habe ich in regelmäßigen Abständen etwas ins Tagebuch geschrieben. Seit geraumer Zeit aber (mindestens 2 - 3 Jahre), schreibe ich täglich etwas in ein - ich nenne es mal - "Aktionstagebuch" ("spirituelles" Tagebuch ist mir zu esoterisch ...). Ich brauche bald ein neues Buch und bin beim Googeln über den Shop von Kitaken gestoßen.

* Ich habe dann auch gleich noch ein Notizbuch zum Verschenkden mitbestellt. Kenji Kitahama von Kitaken schickt Euch verschiedene Muster zu. Ihr könnt das Notizbuch noch durch eigenen Text individualisieren lassen (mein Buch hat den Titel "Nordwolken", analog zu meinem anderen Blog) und den Buchrücken (hier blau, bei meinem Buch dunkelrot) könnt Ihr auch auswählen. Die Bücher sind toll verarbeitet und wurden sehr schnell geliefert.

* Oben noch zwei Beispiele aus meinem aktuellen "Aktionstagebuch", wobei es sich um ein ähnliches Buch gleichen Musters von Buch und Box handelt (kann ich ebenfalls empfehlen). Hier vermerke ich täglich in verschiedenen Farben etwas zu meiner Yogapraxis, zur Meditation, autogenem Training, Dinge, die am Tag passiert sind, Dinge für die ich beispielsweise dankbar bin und inspirierende Zitate.

* This blog entry deals with the beautiful handmade notebooks and journals made by a shop called Kitaken and that I regularly write a yoga and meditation journal embellished with quotes and other entries in different colours. The quote on the last picture of this entry shows my category "inspirational quotes" and it is a quote by Dogen meaning:

"Flowers, while loved, fall; and weeds, while hated, flourish."